First-Level-Support: Wer hilft, wenn es klemmt?
10 Minuten mit Jonas&Lena
Folge 4 · 10 Minuten
First-Level-Support: Wer hilft, wenn es klemmt?
Aktuelles Kapitel: Worum es geht
First-Level-Support ohne Chaos: wie Sie eine feste Anlaufstelle schaffen, die Ihren besten Leuten Zeit zurückgibt. Nach der Folge kennen Sie die vier Angaben jeder Meldung und die eine Regel gegen falsche Support-Anrufe. kjello gibt Ihrem Team diese Anlaufstelle, mit Portal und Kennwort-Rücksetzung rund um die Uhr.
Kapitel
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Die Checkliste aus der Folge – direkt umsetzbar.
- Eine feste Anlaufstelle mit Namen, Vertretung und Telefonnummer benennen und allen bekannt machen; wer dort hilft, verwaltet mit eigener Kennung statt mit seinem normalen Konto.
- Alle Meldungen in einen Eingang, mit vier Angaben: was, seit wann, wer betroffen, Foto der Fehlermeldung; als kritisch gilt nur, was mehrere Leute stoppt, einen Server lahmlegt oder ein verlorenes Gerät betrifft.
- Fernzugriff nur, wenn der Mitarbeiter selbst die IT kontaktiert hat; Rückruf nur über die bekannte Nummer, ungenutzte Fernzugriffsprogramme sperren – und Melden wird nie bestraft.
Transkript
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Worum es geht
Lena
Bei uns klemmt jeden Tag irgendwas, mal der Drucker, mal das Kennwort, mal Teams. Und dann ruft jeder den an, der gerade in der Nähe sitzt.
Jonas
Genau darum geht es heute: First-Level-Support, also die erste Anlaufstelle, wenn am Arbeitsplatz etwas nicht geht.
Jonas
Jede Firma hat so eine Stelle. Die Frage ist nur, ob sie geplant ist oder zufällig entstanden.
Lena
Und was kostet mich die zufällige Variante? Geholfen wird ja trotzdem.
Jonas
Geholfen wird, aber zu einem hohen Preis. Die Zeit fehlt bei dem, der hilft, niemand weiß, was am Rechner verändert wurde.
Jonas
Und das Gefährlichste: Wer gewohnt ist, dass irgendwer hilft, lässt sich auch von einem Fremden helfen, der sich als Support ausgibt.
Lena
Ist das eine Pflicht, so eine Anlaufstelle zu haben, oder eher Ordnungssinn?
Jonas
Gesetzlich vorgeschrieben ist sie für die meisten Firmen nicht. Aber das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt sie in seinem IT-Grundschutz recht genau.
Jonas
Dort steht, dass Mitarbeitende Störungen und Sicherheitsvorfälle über verlässliche Kanäle schnell und einfach melden können sollen. Und dass eine zentrale Anlaufstelle allen bekannt gemacht wird.
Lena
Was nehme ich aus dieser Folge mit?
Jonas
Drei typische Fälle: der Kollege, der sich auskennt, die Meldung im Vorbeigehen und der falsche Support am Telefon. Am Ende stehen drei Regeln, die Sie diese Woche festlegen können.
Fall 1: Der Kollege, der sich auskennt
Lena
Fangen wir mit unserem Klassiker an. Bei uns ist das der Kollege aus dem Vertrieb, der sich mit Computern auskennt.
Jonas
Ein typischer Fall: Eine Firma mit fünfunddreißig Leuten, keine eigene IT-Abteilung. Ein Vertriebler hilft, weil er es kann und weil er nett ist.
Jonas
Er setzt Kennwörter zurück, installiert Programme und richtet Drucker ein. Dafür hat er irgendwann Administratorrechte bekommen, also volle Rechte über die Rechner.
Lena
Das klingt erst mal effizient. Er ist ja sowieso im Haus.
Jonas
Bis man nachrechnet. Wenn er am Tag eine Stunde hilft, fehlt Ihnen im Jahr mehr als ein Monat Vertriebszeit.
Jonas
Und diese Stunde taucht in keiner Rechnung auf. Sie steckt im Umsatz, der nicht gemacht wurde.
Lena
Und was passiert, wenn er im Urlaub ist?
Jonas
Dann steht alles, oder jemand macht es auf eigene Faust. Der IT-Grundschutz sieht für jede Verwaltungsaufgabe eine benannte Vertretung vor.
Jonas
Die Vertretung muss so eingewiesen sein, dass sie die Arbeit wirklich übernehmen kann. Beim hilfsbereiten Kollegen gibt es die fast nie.
Lena
Und was ist mit den Rechten? Er braucht sie doch, um zu helfen.
Jonas
Genau das ist der Haken. Er nutzt dasselbe Konto für seine Mails und für die Verwaltung aller Rechner.
Jonas
Der Grundschutz empfiehlt, dass sich die Kennungen für die Verwaltung von denen für die normale Arbeit unterscheiden. Sonst kann eine einzige falsche Mail die ganze Firma treffen.
Lena
Wer ist denn dafür zuständig, das zu ändern? Ich will ihm ja nicht einfach die Rechte wegnehmen.
Jonas
Die Geschäftsführung. Der IT-Grundschutz sagt ausdrücklich: Für alle Systeme muss festgelegt sein, wer zuständig ist, und alle Mitarbeitenden müssen das wissen.
Jonas
Das ist eine Leitungsentscheidung, keine Frage der Technik. Und es ist auch keine Kritik an dem Kollegen.
Lena
Was ist dann der bessere Weg?
Jonas
Eine feste Anlaufstelle mit Namen, die jeder kennt. Das kann eine Person im Haus mit Vertretung sein oder ein Dienstleister.
Jonas
Wichtig ist nur: Es gibt genau einen Weg, und jeder im Haus weiß, welcher es ist.
Lena
Und was macht der Kollege dann?
Jonas
Er verkauft wieder. Wenn er sich weiter kümmern will, wird er offiziell Ansprechpartner, mit eigener Verwaltungskennung, einer Vertretung und Zeit dafür im Plan.
Lena
Und wenn wir einen Dienstleister nehmen, wer ist dann bei uns noch zuständig?
Jonas
Verantwortlich bleibt die Geschäftsführung, auch wenn ein anderer die Arbeit macht. Im Haus braucht es trotzdem eine Person, die neue Leute anmeldet und sagt, was die Firma braucht.
Jonas
Das ist kein Nebenjob für Technik, sondern eine klare Rolle. Wichtig ist, dass alle wissen, wer diese Person ist.
Lena
Gibt es Dinge, die gar nicht erst beim Support landen müssten?
Jonas
Ja, das vergessene Kennwort. Microsoft bietet dafür eine Funktion, mit der Mitarbeitende ihr Kennwort selbst zurücksetzen, ganz ohne Helfer.
Jonas
Laut Microsoft ist sie in jedem bezahlten Microsoft 365 für Unternehmen enthalten, ohne Aufpreis. Sie muss nur einmal eingeschaltet werden.
Lena
Und wie weist sich der Mitarbeiter dann aus? Sonst könnte das ja jeder.
Jonas
Er hinterlegt vorher eine zweite Möglichkeit, etwa die App auf dem Telefon oder eine zweite Mailadresse. Ohne diese Bestätigung geht nichts.
Fall 2: Die Meldung im Vorbeigehen
Lena
Zweiter Fall: Bei uns meldet man Probleme in der Kaffeeküche oder per Nachricht aufs Handy. Was ist daran falsch?
Jonas
Dass die Hälfte verloren geht. Ein typischer Fall: Montag früh sagt die Buchhaltung im Flur, dass der Drucker spinnt.
Jonas
Mittwoch fragt sie nach, und der Helfer weiß nicht mehr, welcher Drucker es war. Oder ob es nicht doch der Scanner war.
Lena
Muss ich jetzt ein Ticketsystem kaufen? Das klingt nach großer Firma.
Jonas
Nicht unbedingt. Ein Ticket ist erst mal nur eine Meldung, die nicht verloren geht und eine Nummer hat.
Jonas
Bei kleinen Firmen reicht oft eine feste Mailadresse oder ein Formular. Entscheidend ist, dass es einen Eingang gibt und nicht fünf.
Lena
Und was soll in so einer Meldung drinstehen? Meine Leute schreiben sonst nur: geht nicht.
Jonas
Vier Dinge: Was geht nicht, seit wann, wer ist betroffen und was stand auf dem Bildschirm. Am besten mit einem Foto der Fehlermeldung.
Jonas
Damit spart der Support die erste Rückfrage. Und die kostet oft mehr Zeit als die Lösung selbst.
Lena
Woher weiß der Support, was zuerst drankommt? Bei uns ist natürlich alles dringend.
Jonas
Darum braucht es eine einfache Regel, die Sie vorher festlegen. Kritisch ist, wenn mehrere Leute nicht arbeiten können, ein Server ausfällt oder ein Gerät verloren ging.
Jonas
Alles andere wird nach Dringlichkeit abgearbeitet. Ein Drucker mit Papierstau ist ärgerlich, aber kein Notfall, wenn es einen zweiten gibt.
Lena
Und wie schnell muss sich jemand melden? Ich will nicht drei Tage auf eine Antwort warten.
Jonas
Das legen Sie mit Ihrer Anlaufstelle fest, getrennt für kritisch und für alles andere. Achten Sie darauf, was gemeint ist: die erste inhaltliche Rückmeldung oder die Lösung.
Jonas
Eine Zusage zur Rückmeldung ist realistisch, eine Zusage zur Lösung meist nicht. Kein Support weiß vorher, wie lange ein Fehler dauert.
Lena
Und wer entscheidet im Zweifel? Der Support oder ich?
Jonas
Die Regel entscheiden Sie, einmal und schriftlich. Im Alltag stuft dann der Support ein, und niemand muss Sie für jeden Drucker fragen.
Lena
Was ist mit Dingen, die gar nicht kaputt sind? Ein neues Programm zum Beispiel.
Jonas
Das ist eine Anfrage oder eine Änderung, keine Störung. Die Störung heißt: Gestern ging es noch, heute nicht.
Jonas
Ein neues Programm braucht dagegen eine Freigabe der Führungskraft. Das gehört in denselben Eingang, aber mit dieser Freigabe dabei.
Lena
Und wenn jemand eine komische Mail bekommt? Ist das auch ein Fall für den Support?
Jonas
Ja, und zwar sofort. Der IT-Grundschutz sagt, die Ansprechpartner für Sicherheitsvorfälle müssen allen bekannt sein, mit aktuellen und leicht zugänglichen Kontaktdaten.
Jonas
Und lieber einmal zu viel melden als einmal zu wenig. Wer für einen Fehlalarm gerügt wird, meldet beim nächsten Mal nicht.
Lena
Das kenne ich. Da geht es eher um Kultur als um Technik.
Jonas
Genau. Das Bundesamt nennt sogar ein Beispiel: Aus Angst vor Ärger spielt die IT fehlende Updates heimlich nach, bevor man den Angriff untersuchen kann.
Jonas
Es nennt das eine mangelhafte Fehlerkultur. Die Geschäftsführung kann das mit einem Satz ändern: Wer meldet, hat richtig gehandelt.
Fall 3: Der falsche Support
Lena
Dritter Fall: der falsche Support, den du vorhin erwähnt hast. Wie sieht das aus?
Jonas
Ein typischer Ablauf, den Microsoft zweitausendvierundzwanzig beschrieben hat: Zuerst wird das Postfach einer Person mit Werbemails geflutet.
Jonas
Kurz danach ruft ein angeblicher IT-Support an, auch über Teams mit dem Anzeigenamen Help Desk, und bietet Hilfe gegen die Mailflut an.
Lena
Und das wirkt glaubwürdig, weil das Problem ja echt ist.
Jonas
Genau. Der Anrufer lässt die Person die Windows-Schnellhilfe öffnen, ein eingebautes Programm für Hilfe aus der Ferne, und einen Code eingeben.
Jonas
Danach sieht er den Bildschirm und übernimmt die Steuerung. In mehreren der beschriebenen Fälle wurden am Ende Daten im ganzen Firmennetz verschlüsselt.
Lena
Wie sollen meine Leute einen echten Anruf von einem falschen unterscheiden?
Jonas
Mit einer einfachen Regel, die auch Microsoft empfiehlt: Fernzugriff nur, wenn man selbst den Kontakt zur IT begonnen hat. Wer ungefragt anruft und dringend auf den Rechner will, bekommt keinen Zugang.
Jonas
Bei Teams hilft ein Blick auf den Hinweis Extern neben dem Namen. Steht er dort, gilt erst recht: Rückruf nur über die bekannte Nummer.
Lena
Und wenn der Anrufer sagt, er ist von Microsoft?
Jonas
Dann auflegen. Microsoft schreibt selbst, dass es nicht ungefragt anruft, um Support anzubieten.
Jonas
Und echte Fehlermeldungen von Microsoft enthalten nie eine Telefonnummer. Steht eine Nummer auf dem Bildschirm, ist das ein Betrugsversuch.
Lena
Das klingt nach Privatleuten. Trifft das wirklich Firmen?
Jonas
Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor den Anrufen bei Privatleuten. Der Fall von zweitausendvierundzwanzig zeigt aber, dass dieselbe Masche gezielt gegen Firmen läuft.
Jonas
Das Bundesamt nennt ausdrücklich den falschen Systemverwalter, der anruft und das Kennwort braucht. Und es rät, Kennwörter niemals am Telefon oder per Mail weiterzugeben.
Lena
Was mache ich technisch, damit das nicht so leicht geht?
Jonas
Zwei Dinge. Programme für Fernzugriff, die niemand braucht, werden gesperrt oder entfernt, auch das empfiehlt Microsoft.
Jonas
Und das Werkzeug, das Ihr Support nutzt, verbindet sich nur, wenn der Mitarbeiter zustimmt. Das verlangt auch der IT-Grundschutz für die Fernwartung.
Lena
Und wenn jemand schon zugestimmt hat? Was kostet mich das dann?
Jonas
Das hängt davon ab, wie schnell es auffällt. Darum gilt: Rechner sofort vom Netz trennen, also Kabel ziehen oder Wlan aus, und den Support anrufen.
Jonas
Danach werden die Kennwörter geändert, die an diesem Rechner benutzt wurden. Und die Geschäftsführung prüft mit Datenschutz und Recht, ob eine Meldung an Behörden nötig ist.
Lena
Und woher hat der Mitarbeiter die echte Nummer, wenn er so durcheinander ist?
Jonas
Genau deshalb steht sie auf einem Zettel am Monitor oder im Startmenü. Rückruf nur über diese Nummer, nie über die, die der Anrufer nennt.
Zum Mitnehmen
Lena
Dann bitte zum Schluss die drei Regeln. Was lege ich diese Woche fest?
Jonas
Erstens: Es gibt genau eine Anlaufstelle mit Namen, Vertretung und einer festen Nummer, und jeder im Haus kennt sie. Wer dort hilft, hat eine eigene Verwaltungskennung.
Jonas
Zweitens: Jede Meldung geht in einen einzigen Eingang, mit vier Angaben: was, seit wann, wer betroffen, Foto der Fehlermeldung. Kritisch ist, wenn mehrere Leute nicht arbeiten können.
Jonas
Drittens: Fernzugriff nur, wenn man selbst angerufen hat, Rückruf nur über die bekannte Nummer. Wer etwas Verdächtiges meldet, hat immer richtig gehandelt.
Lena
Das ist machbar. Und wenn ich diese Anlaufstelle nicht selbst stellen will?
Jonas
Wer mit kjello arbeitet, setzt sein Kennwort im Portal selbst zurück, rund um die Uhr. Alles andere meldet er dort, und Störungen wie Anfragen sind ohne Begrenzung nach Zeit oder Anzahl enthalten.
Untertitel-Datei: WebVTT
Quellen
Worauf sich Jonas und Lena in dieser Folge stützen.
- 01 BSI IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein DER.2.1 Behandlung von Sicherheitsvorfällen, Edition 2023 bsi.bund.de (öffnet neues Fenster)
- 02 BSI IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein OPS.1.1.2 Ordnungsgemäße IT-Administration, Edition 2023 bsi.bund.de (öffnet neues Fenster)
- 03 BSI IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein ORP.1 Organisation, Edition 2023 bsi.bund.de (öffnet neues Fenster)
- 04 Microsoft Learn: Self-service password reset deep dive learn.microsoft.com (öffnet neues Fenster)
- 05 Microsoft Learn: Let users reset their own passwords learn.microsoft.com (öffnet neues Fenster)
- 06 Microsoft Threat Intelligence: Threat actors misusing Quick Assist in social engineering attacks leading to ransomware, 15.05.2024 microsoft.com (öffnet neues Fenster)
- 07 Microsoft Support: Protect yourself from tech support scams support.microsoft.com (öffnet neues Fenster)
- 08 Verbraucherzentrale: Warnung – Abzocke durch angebliche Microsoft-Mitarbeiter verbraucherzentrale.de (öffnet neues Fenster)
- 09 BSI: Social Engineering – der Mensch als Schwachstelle bsi.bund.de (öffnet neues Fenster)
- 10 BSI IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein OPS.1.2.5 Fernwartung, Edition 2023 bsi.bund.de (öffnet neues Fenster)
- 11 kjello Leistungsumfang docs.kjello.de (öffnet neues Fenster)
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